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Geschichte des Bierbrauens in Wismar
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Nach der Stadtgründung

Wismar wurde im Jahre 1229 erstmals urkundlich erwähnt. An dieser Stelle befand sich zu dieser Zeit ein wichtiger Seehandelsplatz für die südliche Ostsee. 5 Kilometer südlich lag die Mecklenburg, die damals der Zentralort der slawischen Obotriten war. In den Jahren 1260 und 1261 erhielten Wismar und Mecklenburg die Zollfreiheit und 1266 bekamen alle, die nach Wismar kamen, um zu handeln, Privilegien. Bereits im den ältesten erhaltenden Stadtbüchern (1250 bis 1297) waren alle wesentlichen Berufsgruppen, unter anderen das Brauereigewerbe, vertreten. So konnte die Versorgung mit Bier, welches ein unverzichtbares Element der mittelalterlichen Ernährung war, gewährleistet werden. Gebraut wurde damals vor allem für den Eigenbedarf. Aber es gab auch schon kommerzielle Brauerein, die ihre Produkte vor allem in der näheren Umgebung absetzen wollten. Der Grund dafür war die eingeschränkte Haltbarkeit der traditionellen, ungehopften Sorten und die vergleichbar hohen Transportkosten. Deshalb war der Absatz von exportierten Bier in Wismar unabhängig von der Qualität sehr gering.
Rund um die Stadtbefestigung gab es zeitweise bis zu 150 Hopfengärten und aus dem Mühlenteich und der Grube wurde Wasser zum Brauen entnommen.

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Jahr
Anzahl der Brauerein
1464-65
182
1615
119
1692
93
1747
45
1765
15
1823-55
8
1872
6
1918
3
Nach 1945
0
Heute
1
Zur Zeit der Hanse

1259 trat Wismar in den aufstrebenden Hansebund ein. Schon 1329 ist die Bierausfuhr an einen unbekannten Ort belegt. Von 1344 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde Wismarer Bier nach Flandern, Antwerpen, Holland und vor allem in den skandinavischen Raum exportiert. Außerdem war es seit 1356 verboten Wismarer und anderer Orts hergestelltes Bier zusammen zu verschiffen. In der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts wurde vielerorts durch Ausschankverbote und Zölle versucht, das Wismarer Bier vom Markt zu verdrängen, da es beliebter und von besserer qualität war als das Eigene. Angehörige des Brauereiwesens, die meist auch Kaufleute waren, standen in der städtischen Hierarchie ganz oben. Da die Brauerei kein Handwerk war, gehörten sie keiner Gilde an. So saßen die Brauherren an den Hebeln der Macht. Sie konnten so die lokale Konkurrenz ausschalten und ihre hohen Qualitäts-ansprüche durchsetzen. Dabei entwickelte sich eine Brautradition, die sich positiv auf die Bier-Qualität auswirkte. 1350 wurde ein Erlass herausgegeben der besagte, dass keine Fremden in Wismar brauen durften und ab 1356 nicht mehr als zwei Leute zusammen. Außerdem wurden seit 1495 Bierproben durchgeführt, wobei die Probeherren das „bleiche und gelinde“ Bier wünschten. In Folge dessen wurde das Bier immer schwächer, was dazu führte, dass sich Brauer und Abnehmer beschwerten. Um eine bessere Bierqualität zu erreichen, wurden 1563 die ersten Versuche unternommen gutes, klares Wasser aus einer Quelle bei Metelsdorf nach Wismar zu leiten. Bis 1570 wurden ein Brunnen (später Wasserkunst) und hölzerne Leitungen errichtet, die wahrscheinlich bis zu einigen Brauerein weitergingen.
Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Qualität des Bieres und der Ruf schlechter.
Die Pest tat ihr übriges und raffte ein Drittel der Bevölkerung dahin. Eine entscheidende Wende nahm der Braubeginn eines neuen Bieres, der berühmten „Wismarer Mumme“ im Jahre 1587, welche heute wieder „Am Lohberg“ gebraut wird.

Jahr
Ausfuhr seewärts in t
1664
34000
1702
13400
1737
fast 1900
1747
760
1765
105
Jahr
Bierproduktion in t pro Jahr
1606-1710
84
1570-79
70000
1644
4700
1692
41500
1737
unter 11000
1747
unter 9000
1765
2900

30-jähriger Krieg und Schwedenherschafft

Kaum hatte sich die Stadt von ihren wirtschaftlichen Problemen Anfang des 17. Jahrhunderts erholt, da wurde sie 1629 von der schwedischen Armee belagert, was zu einem Mehrverbrauch von Bier führte. Nachdem Wismar 1636 durch den Friedenvertrag von Osnabrück offiziell an Schweden übergeben wurde, verbesserte sich der wirtschaftliche Zustand weiter. Im Jahre 1651 konnte Wismar durch ein Warenabkommen mit Schweden zahlreiche Zoll-Vergünstigungen bekommen. Dadurch blühten der Export heimischer Waren und das Handwerk erneut auf. Zu dieser Zeit führten die Wismarer Brauer sogar Hopfen und Malz aus England ein, um weiterhin Bier produzieren zu können. Um 1706 besagte eine Tribunal entscheidung, um den Handel mit Bier nicht zu benachteiligen, dass jeder Brauer soviel brauen kann wie er wollte. Um noch effektiver zu arbeiten wurde der Beruf des Mälzers, der das Malz herstellt, eingeführt, damit der Brauer sich voll auf das Brauen konzentrieren konnte. Die Einführung des „Kesselbieres“ gegen Ende des 18.Jahrhunderts läutete das Ende der Brauer ein. Sie konnten sich nicht gegen die Konkurrenz wehren.

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Jahr
Bierverbrauch in der von der schwedischen Garnison besetzten Stadt in t pro Jahr
1692
24600
1709
19300
1747
9700
1765
3000

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Nach der Schwedenherrschaft bis heute

1803 wurden Wismar, die Insel Poel und das Amt Neukloster durch den Malmöer Vertrag für 100 Jahre an den Herzog von Mecklenburg verpfändet. Von 1806 bis 1813 stand Wismar unter französischer Fremdherrschaft, was die Wirtschaft aber nicht wesentlich beeinflusste. Ab 1880 wurde von den vier übrig gebliebenen Brauereien kein untergäriges Bier mehr hergestellt. Stattdessen stellte die Kochsche Brauerei (im Schabbelhaus) Porter und Malzbier her. Durch das ständige Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung war es notwendig geworden, das alte Wassernetz auszubauen und neue Quellen einzuschließen. Deshalb wurde das alte Röhrensystem erneuert und 1897 ein Wasserwerk und ein Wasserturm am Turmplatz errichtet. Obwohl es Modernisierungen im Straßennetz, beim Wasserleitungssystem und die Elektrifizierung gab konnte sich das Braugewerbe in Wismar nicht halten, was auch auf die übermächtige Konkurrenz aus Lübeck und Rostock zurück zuführen war. Im Jahre 1922 kam dann das Aus für das einst so erfolgreiche Brauereigewerbe.
Erst ab 1995 wird wieder im 1452 gegründeten „Brauhaus am Lohberg“, nach alter hanseatischer Tradition gebraut.